Der Besuch meiner Tante

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Quelle: Pixabay, bearbeitet von Christiane

Ein grauer Himmel kam zum Vorschein, als ich heute morgen zum Fenster hinaussah. Am liebsten würde ich mich wieder in mein Bett legen. Leider ging das nicht. Denn heute Nachmittag würde meine Tante zu Besuch kommen und davor musste ich meine Wohnung auf Vordermann bringen. Meine Tante legte nämlich großen Wert auf Sauber- und Ordentlichkeit, im Gegensatz zu mir.

Also gut. Ich wandte mich vom Fenster ab und machte mich griesgrämig ans Werk. Den ganzen Vormittag sollte ich nun werken und machen und stöbern. Und tatsächlich sah meine Wohnung am frühen Nachmittag ordentlich aus. Auch der Kuchen, den ich zwischenzeitlich in den Ofen geschoben hatte, ließ sich sehen. Nun machte ich mich noch etwas frisch und zog meine beste Bluse an. Dann noch schnell den Tisch gedeckt sowie eine Blumenvase daraufgestellt. Nun war ich soweit. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass noch etwa eine Viertelstunde bis zur vereinbarten Zeit blieb. Diese nutzte ich noch für einen prüfenden Rundgang durch meine Wohnung: Es sah wirklich gut aus.

Dann läutete es plötzlich. Aber nicht an meiner Tür. Es war das Telefon, welches läutete. Genervt, jetzt noch ein Telefongespräch führen zu müssen, nahm ich den Hörer ab und meldete mich mit meinem Familiennamen. Vom anderen Ende der Leitung hörte ich die Stimme meiner Tante. Es tue ihr ja so sehr leid, aber sie müsse ihren Besuch bei mir nun so kurzfristig absagen. Sie hätte sich ihr Bein verstaucht, sie könne beim besten Willen nicht kommen. Entschuldigung und bis bald. Eigentlich wollte ich nach Ende des Telefonats schon meiner Wut lautstark Luft machen. Doch dann kam mir eine besserer Idee: Ich könnte ja den Nachmittag für die Wanderung zur Quelle der Vils nutzen. Diese wollte ich ja schon lange machen und nun kam ich dank meiner Tante dazu.

Dieser Text entstand durch die Anregung der abc.etüden von Christiane. Herzlichen Dank hierfür. Die drei von Ulli Gau mit ihrem Blog Café Weltenall gestifteten Wörter lauten „Quelle“, „griesgrämig“ sowie „stöbern“ und sollen in einem Text mit max. 300 Wörtern eingebaut werden.

7 Gedanken zu “Der Besuch meiner Tante

  1. Ach, diese unvergessliche Panik der früheren Jahre, wenn Verwandtschaftsbesuch „drohte“, der andere Richtlinien verfolgte, wie ein gemütliches Zuhause auszusehen hat, die vergesse ich auch nicht. Aber wie Katharina schon schrieb: der Gewinn bei einer Absage hatte auch viel für sich, oft mehr als der Besuch.

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  2. Pingback: Fazit Textwochen 47.48.20, willkommen Adventüden 2020! | Irgendwas ist immer

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